Beitrag · June 2026Journal
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initialisie; select pen one; In HP-GL, der Sprache, die meine Plotter verstehen, beginnt jede Zeichnung so. Das gilt auch für diesen Blog.

Jun 10 · 22:00

Genau genommen war der erste Plotter, den ich je gesehen habe, ein Laborgerät. Im Physikunterricht hatten wir einen X-Y-Schreiber: gebaut, um Spannung über Zeit aufzuzeichnen, mit halb eingetrocknetem Filzstift auf Endlospapier mit perforierten Rändern. Dann verband jemand zwei Oszillatoren, und das Gerät zeichnete Lissajous-Figuren: komplexe Schleifen und Knoten, die niemand entworfen hatte. Zufällig war daran nichts. Sie ergaben sich direkt aus dem Zusammenspiel zweier einfacher Signale – änderst du das Frequenzverhältnis, entsteht ein anderer Knoten. Der Gedanke blieb hängen: Aus einfachen Regeln können Bilder entstehen. Ich habe fast zwei Jahrzehnte gebraucht, um etwas daraus zu machen.

Der Grundstein war ein paar Jahre zuvor gelegt worden, in einer Computer-AG in der fünften Klasse. Wir lernten Programmieren mit Niki, einem kleinen gelben Roboter auf dem Bildschirm, den man über ein Raster steuern konnte: vor, vor, links drehen, Ball aufnehmen. Man konnte ihm auch Regeln geben und zusehen, wie er sie abarbeitet. Einer Maschine Anweisungen geben und dann sehen, was daraus wird: das blieb ebenfalls hängen.

Übrigens: Hallo. Ich bin Fabian Eck. Wenn du meine Arbeiten schon einmal gesehen hast, kennst du mich wahrscheinlich als algorigraph: Algorithmus plus -graph, im Sinne von Zeichnen mit Algorithmen. Zuerst war die Kunst da. Sie zieht mich an, solange ich denken kann. Das Programmieren kam später – und damit der Schritt vom Betrachten zum Machen. Auf dieser Webseite kommen beide endlich zusammen.

Zwischen Niki und dem ersten eigenen Plotter liegen zwei Jahrzehnte, in denen ich vieles fast angefangen habe. Jahrelang habe ich RepRap-Blogs gelesen, ohne je einen 3D-Drucker zu bauen: fasziniert von den Maschinen, aber ohne Grund, eine zu besitzen. Als günstige XY-Plotter auf den Markt kamen, war meine Zeit gekommen. Ich habe einen EleksMaker gekauft und mir gesagt, das sei ein Praxisprojekt, um mein Python aufzufrischen. In Wahrheit war es die Rechtfertigung für den Kauf. Das Python wurde aufgefrischt. Das Projekt läuft bis heute.

Es ging schnell weiter. Innerhalb weniger Monate bin ich an die technischen Grenzen des EleksMaker gestoßen und habe mich umgesehen, was es sonst noch gibt. Gefunden habe ich alte Roland-Plotter aus der Mitte der Achtziger: Maschinen wie den DXY-1200, gebaut für Architekten und Ingenieure, gebraucht für sehr wenig Geld zu haben. Diese Maschinen sind gleich in zwei Richtungen bemerkenswert. Sie können Dinge, die kein moderner Hobby-Plotter kann: automatische Pen Changer, elektrostatische Papierhaltung, durchdachte Technik bis ins letzte Detail. Und sie können Dinge nicht, die bei modernen Maschinen selbstverständlich sind: Sie sprechen HP-GL über serielle Schnittstellen, und ihre Buffer fassen bestenfalls ein paar Kilobyte. Leistungsfähiger und begrenzter zugleich. Für mich ist das genau die Mischung, in der es interessant wird. Die Grenzen zwingen zu Entscheidungen, und die Arbeit wird dadurch besser.

Heute steht in meinem Studio eine kleine Sammlung dieser Maschinen. Die ältesten wurden ein paar Jahre vor meiner Geburt gebaut.

Was mache ich damit? Meine Arbeiten liegen irgendwo zwischen figurativ und abstrakt. Mich fasziniert, wie das Gehirn unvollständige Bilder vervollständigt – und am liebsten findet es dabei ein Gesicht. In manchen Arbeiten spiele ich genau damit: Ich setze Gesichter in die Komposition, lasse sie aber nur vage durch die Formen hindurchscheinen, angedeutet statt gezeichnet. Was mich interessiert, liegt zwischen Maschine und Bild: Jede Linie, die der Plotter zieht, ist exakt. Was die Linien ergeben, ist es nicht.

Eine Zeit lang habe ich online nichts mehr gezeigt. Nicht, weil ich aufgehört hätte zu plotten, sondern weil ein Feed, der in einer Sekunde vorbeiscrollt, mir nie der richtige Ort für Arbeiten schien, die Stunden brauchen. Also habe ich stattdessen diese Seite gebaut: mein eigener Platz, zu meinen Bedingungen, mit Raum zum Wachsen. In letzter Zeit habe ich an ein paar neuen Algorithmen gearbeitet, und ich freue mich darauf, die Ergebnisse hier zuerst zu zeigen.

Damit sind wir bei diesem Journal. Das kannst du hier erwarten: Porträts der Maschinen (jeder dieser Plotter hat genug Charakter für einen eigenen Beitrag), Blicke unter die Haube einzelner Arbeiten und der Algorithmen dahinter, Notizen von Ausstellungen, die ich besuche oder an denen ich teilnehme, und was sonst noch aufzuschreiben lohnt.

Willkommen bei algorigraph. Im Kern ist diese Seite noch immer der Physikraum von damals: Regeln rein, Bilder raus. Die Regeln sind seitdem komplexer geworden. Die Faszination nicht.

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